Warum BIO für unser Weingut in Niederösterreich der richtigere Weg ist

W a r u m B I O f ü r u n s e r W e i n g u t i n N i e d e r ö s t e r r e i c h d e r r i c h t i g e r e W e g i s t

Die naturnahe Bewirtschaftung meiner Weingärten war mir für mich als Winzer in Österreich immer schon ein großes Anliegen. Seit Jahren säen wir in unseren Weingärten regelmäßig Begrünungen zwischen den Rebzeilen aus, führen die Unkrautbekämpfung ausschließlich mechanisch durch und bringen regelmäßig Kompost und Strohmulch aus. Das sind ohnehin schon sehr viele biologische Maßnahmen, warum sich hier nun auch noch für BIO zertifizieren zu lassen?

BIO-Zertifiziert. Und Punkt.

Ende 2016 habe ich mich dazu entschlossen, unser Weingut in Niederösterreich auf die biologische Wirtschaftsweise umzustellen. Das bedeutet, dass man sich dazu verpflichtet, die gesamte Bewirtschaftung der Weingärten an definierte Kriterien und Vorgaben anzupassen. Jeder Bio-Betrieb wird auch mindestens einmal jährlich überprüft. Sollten bei der Kontrolle Vergehen festgestellt werden, kann das bis zum Verlust der Bio-Zertifizierung führen. Aber wozu ist die Zertifizierung nun gut? Immer wieder berichten Winzer darüber, dass sie viele Teile aus der biologischen Wirtschaftsweise übernommen haben, und daher ohnehin schon sehr naturnah arbeiten. Aber sie wollen sich doch den Spielraum freihalten, im Extremfall, wenn der Krankheitsdruck zu hoch wird, auf konventionelle Mittel zurückgreifen zu können. Aber genau da liegt meiner Meinung nach der große Unterschied: als zertifizierter Betrieb gibt es kein Zurückgreifen, man muss mit den vorhandenen Mitteln auskommen. Und das wiederrum fördert die Kreativität und die Weiterentwicklung der biologischen Produkte und das kommt auch dem Kunden, der den Grünen Veltliner kaufen möchte, zugute.

Worin liegt der Unterschied zwischen Bio und Konventionell?

Bei der konventionellen Bewirtschaftung (integrierte Produktion) ist man ebenfalls an Maßnahmen gebunden. Es dürfen nur zugelassene Pflanzenschutzmittel und Dünger verwendet werden. Weiters sind auch Maßnahmen bei der Bodenpflege einzuhalten. Bei der biologischen Bewirtschaftung dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und Dünger eingesetzt werden. Es sind auch keine leicht löslichen und schnell verfügbare Dünger erlaubt (z.B. Stickstoff oder Phosphor). Die Unkrautbekämpfung mittels Herbizids (chemische Unkrautbekämpfung, umgangssprachlich auch „Unkrautspritzmittel“ genannt) ist untersagt. Bei der Weinerzeugung gibt es ebenfalls strenge Richtlinien, die eingehalten werden müssen.

Müssen Biowinzer auch „Spritzen“?

Ein großer Irrglaube ist, dass Biobetriebe nicht „Spritzen“ fahren müssen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Als Biowinzer fährt man viel öfters mit der Spritze durch die Weingärten. Während ein konventioneller Betrieb oft nur alle 14 Tage eine Behandlung durchführt, muss ein Biowinzer spätestens nach 7-8 Tagen den Spritzbelag erneuern. Wie bereits oben erwähnt, sind als Biobetrieb keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel erlaubt, daher ist auch die Wirkung der uns zur Verfügung stehenden Mittel kürzer und das Spritzintervall geringer. Der größte Feind des Winzers in Österreich ist der Mehltau (man unterscheidet hier zwischen dem echten und dem falschen Mehltau). Dabei handelt es sich um einen Pilz, der die jungen Triebe, Blätter und auch Trauben befällt. Die Pilzsporen überwintern meist im abgefallenen Laub oder auf den verholzten Trieben; bei optimalen Witterungsbedingungen beginnt der Pilz, Sporen zu bilden. Im Extremfall könnte sogar eine ganze Ernte vernichtet werden. Zur Bekämpfung dieser Krankheit kommt in erste Linie Schwefel zum Einsatz. Dieser beginnt nach der Ausbringung zu Verdampfen, dadurch werden die Pilzsporen abgetötet. Zusätzlich wird oft noch Backpulver beigemengt. Dieses wirkt auf den Schadpilz austrocknend. Ein weiteres Mittel gegen den falschen Mehltau ist Kupfer. Dabei wird ein feiner Belag auf die grünen Teile der Rebe ausgebracht. Dieser Belag verhindert, dass der Pilz keimen kann. Das Innovative am biologischen Pflanzenschutz ist jedoch die Pflanzenstärkung. Hier wird mit Tees (z.B. Komposttee), Auszügen (z.B. Ackerschachtelhalm) und Kräuterextrakten versucht die Pflanze zu stärken. Dadurch wird die Rebe gesünder und widerstandsfähiger, und ist weniger anfällig für Krankheiten. Dies wiederrum bewirkt, dass die klassischen Pflanzenschutzmittel wie Kupfer und Schwefel reduziert werden können.

Beikrautregulierung

Die Beikräuter werden umgangssprachlich oft als Unkraut bezeichnet, wobei jede Pflanze in der Natur ihre Rolle spielt und auch ihre Aufgabe im Ökosystem hat. Daher ist die Bezeichnung Unkraut nicht ganz richtig. Aber gerade in unmittelbarer Nähe der Rebe können diese Pflanzen bei längerer Trockenheit eine große Konkurrenz darstellen. Daher müssen diese Beikräuter regelmäßig entfernt werden. Dies geschieht bei uns im Biobetrieb ausschließlich mechanisch. Dabei werden die Wurzeln abgeschnitten und die Pflanze stirbt dadurch ab. Die Überreste werden sehr schnell vom Boden aufgenommen (von Mikroben, Pilzen und Regenwürmern) und in Humus umgewandelt. Bei der Anwendung von Herbizid sieht das leider nicht so gut aus. Durch das Ausbringen eines chemisch-synthetischen Mittels auf die Beikräuter sterben diese schnell ab. Weder der Regenwurm noch andere Lebewesen im Boden habe Interesse an solchen Pflanzen. Es entsteht dadurch eine Einschränkung der Biologie im Boden.

Weingartenbegrünungen im Weinviertler Weingut

In unserem Weingut im Weinviertel wird man immer begrünte Streifen zwischen den Reben sehen (außer, wir haben diese umgebrochen und neu angesät). Mit diesen Begrünungen schaffen wir Biodiversität in unseren Weingärten und können damit eine riesige Artenvielfalt zu den Reben schaffen. Bei der Auswahl der Pflanzen achten wir darauf, möglichst vielfältig zu bleiben. Ein Hauptbestandteil unserer Begrünungen sind Blumen und Blühpflanzen. Dadurch locken wir Bienen, aber auch andere Insekten an, und können somit auf natürliche Weise verhindern, dass sich Schädlinge zu sehr ausbreiten, weil sie keine Konkurrenz haben. Ein weiterer Bestandteil sind die Leguminosen (z.B. Wicke, Esparsette oder Platterbse). Diese Pflanzen können den Stickstoff aus der Luft aufnehmen und in ihren Wurzeln speichern und somit aktiv am Humusaufbau teilhaben. Das Wichtigste aber sind die Wurzeln! Denn die Rebe ist auf die Symbiose mit anderen Pflanzen angewiesen. Daher achten wir bei der Vielfalt der Begrünungspflanzen auch auf die unterschiedlichen Wurzelhorizonte. Wir mischen ganz bewusst Tiefwurzler (z.B. Luzerne und Ölrettich) zu unseren Begrünungen, um den Boden möglichst gleichmäßig aufzuschließen.

Fazit

Die biologische Bewirtschaftung der Weingärten ist einfach schön und lehrreich zugleich. Mit der Umstellung unseres Weinguts im Weinviertel dürfen wir erleben, wie mit der Zeit vielfältigeres Leben reinkommt. Im Boden tummeln sich mehr Regenwürmer als früher, an einem sonnigen Tag schwirren die Bienen und Insekten in unseren Begrünungen, und auch den Hasen und Rehen schmeckts hervorragend. Für mich war die Zertifizierung zum Biobetrieb ein Schritt in die richtige Richtung.